Zentral, gut erhalten, teilrenoviert – was die Codes der Makler wirklich bedeuten

Ein Haus in einer familienfreundlichen Wohngegend, das gleichzeitig ruhig und zentral gelegen ist? Hört sich gut an, gibt es jedoch eher selten. Doch glaubt man den Begriffen der Makler in Immobilienanzeigen, ist so einiges möglich. Wir erläutern was hinter den Formulierungen steckt – wenn es gut und wen es schlecht läuft. 12 Beispiele aus der Praxis – von A wie Altbau bis Z wie zentrale Lage.

Altbau

Wer an Altbau denkt, dem kommt eventuell zunächst die folgende Assoziation: Ein Stück Zeitgeschichte mit charmantem Ambiente, hohen Decken und verschnörkelter Jugendstil-Fassade. Ohne weitere Ausführungen die den Wert des Altbaus betonen, kann den Käufer oder Mieter auch folgendes erwarten: Gemeint ist ein Haus mit hohen Decken, das vor dem Zweiten Weltkrieg erbaut wurde. Das Gebäude verfügt über eine schlechte Isolierung, mangelhafte Schrittdämmung sowie eine veraltete Elektrik. Oft kommen auf einen Mieter hohe Heizkosten, und auf einen Käufer womöglich ein noch höherer Sanierungsaufwand zu.

außergewöhnliche Architektur

Haus mit außergewöhnlicher ArchitekturWer das Wort außergewöhnliche Architektur positiv bewertet, denkt an eine Immobilie mit dem gewissen Extra, die sonst keiner hat. Dieser dehnbare Begriff kann jedoch auch folgendes bedeuten: Das Haus wurde geschmacklich oder bautechnisch etwas unglücklich umgesetzt, und ist deshalb schwer verkäuflich. Die Immobilie weist Besonderheiten auf, die nicht konkret benannt, jedoch vom Makler eher beschönigend dargestellt werden. Z.b. können schiefe Wände, krumme Winkel und andere Besonderheiten die Einrichtung zu einem wahren Abenteuer machen. Denn Möbel aus dem Möbelhaus können nur selten verwendet werden. Ein weiteres Beispiel hierfür wäre ein undurchdachter Grundschnitt der Wohnung. Man muss zuerst mehrere anderer Räume durchqueren, um zu einem bestimmten Zimmer zu gelangen. Dennoch können solche Häuser sehr interessant sein. Z.b. wenn sie zum Besitzer passen, oder die Möglichkeit besteht, die Einrichtung individuell anzufertigen. Eventuell gefällt eine solche Immobilie so manchem Individualisten. Für den Alltagsgebrauch ist sie jedoch mit gewissen Einschränkungen verbunden.

Biotop im Garten

Im positiven Sinne betrachtet, könnte ein Paradies für Naturliebhaber gemeint sein, wo Igel oder Fledermaus Unterschlupf finden. Möglicherweise trifft man jedoch auf ein verwildertes Land, welches mühsam befriedet werden muss. Eventuell dringt auch noch Grundwasser aus dem Boden. In einem sumpfigen Tümpel leben Mückenlarven, und Frösche treffen sich nächtens zum Quakkonzert. Es wartet also erstmal viel Arbeit auf den Besitzer.

Familienfreundliche Wohngegend

In unmittelbarer Nähe zum Objekt gibt es zahlreiche Spielplätze sowie Schulen und Kitas. Das bedeutet einerseits eine gute Anbindung für junge Familien, anderseits geht damit zumindest tagsüber ein hoher Lärmpegel einher. Der Autoverkehr hingegen ist bis auf die Stoßzeiten meist gering, und nachts ist es in der Regel ruhig. Ideal für junge Familien, die sich tagsüber an Lärm und Trubel nicht stören.

Garten vorhanden

Auch der Begriff »Garten« lässt sich recht dehnbar verwenden. So kann damit einerseits eine parkähnliche Anlage gemeint sein. Genauso gut kann den Interessenten bei der Wohnungsbesichtigung auch eine winzige Grünfläche von 2 x 3 Metern erwarten. Im Optimalfall liegt die Grünfläche verborgen hinter dem Haus, und man hat seine Ruhe. Wenn es schlecht läuft, kann der Garten jedoch von anderen Hausbewohnern oder den Nachbarn eingesehen werden, was die Privatsphäre erheblich beeinträchtigt.

Gut erhalten

Die Worte »gut erhalten« klingen zunächst erfreulich. Man könnte auf eine Immobilie treffen, die sich in einem guten Zustand befindet. Man kann sofort einziehen, und hat zunächst wenig Aufwand und Kosten. Doch auch diese Interpretation ist möglich: Die Immobilie ist trotz langer Vernachlässigung noch leidlich gut in Schuss. Bausubstanz, Heizung und elektrische Leitungen sind zwar intakt. Der Interessent muss jedoch damit rechnen, dass in naher Zeit zahlreiche Reparaturen anfallen.

Renovierungsbedürftig

sanierungsbedürftiges HausDie Definition ist eigentlich klar – die Frage ist nur, in welchem Umfang investiert werden muss. Man kann damit rechnen, dass mehr als Schönheitsreparaturen zu erledigen sind, und eigentlich eher saniert werden muss. Der zukünftige Besitzer sollte möglichst Handwerker sein, oder über ausreichende finanzielle Mittel verfügen. Türen und Fenster, die Elektrik, und wahrscheinlich die gesamte Bausubstanz sind deutlich in Mitleidenschaft gezogen. Die Heizung hat lange keine Wartung gesehen, falls sie überhaupt funktioniert. Vor dem Kauf sollte die Immobilie genau in Augenschein genommen werden, um ausufernde Kosten zu vermeiden.

Liebhaberobjekt

Wie die Bezeichnung schon vermuten lässt: Das Objekt ist nicht für Jedermann geeignet, und man muss es mögen. Nicht immer geht es dabei nur um den ganz eigenen Charme der Immobilie, ihre besondere Optik oder eine exponierte Lage. So kann z.B. ein altes Bauernhaus durchaus etwas romantisches haben. Das entbindet den Käufer jedoch nicht davon, viel zusätzliches Geld oder eigenen Arbeitsaufwand in die Erhaltung zu stecken. Möglicherweise handelt es sich um ein Anwesen, das jahrelang nicht renoviert wurde, und ohne Sanierung bald baufällig wird.

Schnäppchen

Schnäppchen-HausDie Immobilie ist günstig in der Anschaffung, aber die eigentlichen Kosten kommen später. Das sogenannte „Schnäppchen für Schnellentschlossene“ hat mit hoher Wahrscheinlichkeit einen oder mehrere Mängel. Das Haus wurde möglicherweise zuletzt von älteren Menschen bewohnt, die lange Zeit nichts investiert haben. Eventuell hat sogar die Bausubstanz gelitten. Interessenten sollten mit Ruhe und Sachverstand die Immobilie prüfen. Die überschaubaren Kosten für einen Gutachter sind eine sinnvolle Investition. So kann man sich vor unliebsamen Überraschungen und finanziellen Abenteuern schützen.

Teilrenoviert

Die gute Nachricht lautet: Jemand hat bereits mit der Renovierung begonnen. Doch jetzt kommt die Schlechte: Es gibt einen anderen Teil, der noch renoviert werden muss. Oft finden sich hinter dieser Formulierung Objekte, die den Vorbesitzer finanziell überfordert haben. Der Interessent kann davon ausgehen, dass noch diverse Mängel zu beseitigen sind, die finanzielle Ressourcen erfordern.

Umgebung mit hohem Freizeitwert

Normalerweise befinden sich diverse Freizeitmöglichkeiten in der Nähe. Der nächste Park, ein Sportplatz oder Möglichkeiten zum Ausgehen sind nicht weit weg. Doch Käufer oder Mieter sollten auch mögliche Nachteile in Betracht ziehen. So kann von Lokalitäten oder Bars die nachts länger geöffnet haben, ein erhöhter Lärmpegel ausgehen. Junge Menschen fühlen sich in solcher Umgebung oft sehr wohl. Reifere Semester oder Menschen die es ruhiger angehen lassen möchten, sollten diese Gegend eher nicht als Wohnort wählen.

Zentrale Lage

Vorteilhaft betrachtet versteht man darunter eine gute Anbindung an Verkehrsmittel, oder kurze Wege zum Arbeitsplatz. Man ist schnell auf der Autobahn, oder die nächste U-Bahn-Station ist nur ein paar Schritte entfernt. Doch wo Licht ist, ist auch Schatten. Wenn es schlecht läuft, liegt das Gebäude direkt an einer verkehrsreichen Straße. Die zentrale Lage macht sich auch durch besonderen Lärm oder Schmutz bemerkbar.

Kategorie: Allgemein

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Pflichtfelder sind markiert *

*

Menü